Am Ende der Wartschleife

Extra 10 Minuten früher aufgestanden, rief ich neulich beim Arzt an. Natürlich landete ich in der Warteschleife. Ich suchte mir ein paar leichte Tätigkeiten, um die Wartezeit zu überbrücken. Eine seriöse Frauenstimmte spulte ihren Text ab, dazwischen die zwanghaft fröhliche Musik in schlechter Qualität. (Ich finde ja die Melodie macht eher aggressiv als dass sie gute Laune versprüht – klare Jobverfehlung meiner Meinung nach.). Ich räumte also gedankenverloren ein paar Dinge zusammen, als die deplatzierte Musik plötzlich abbrach und die gleiche emotionslose Frauenstimme bat: „Restez en ligne!“ (= Beiben Sie in der Leitung!). Nicht nur, dass mich das Ganze ans Rappen erinnerte, es war auch noch Französisch! Und noch bevor die Melodie wieder einsetzen konnte, war ich schon tief in meinen Erinnerungen: schweißtreibendes Vokabellernen, unzählige französische Aufsätze zu jedem möglichen und unmöglichen Thema und die gnadenlose Französischprofessorin, die mir mein Leben jahrelang erschwerte.

Irgendwann wurde ich dann dennoch ungeduldig (auch wenn es viel länger dauerte als bei sonstigen Warteschleifen). Aber ich hatte Glück – so dachte ich zumindest – denn es wurde abgehoben! Allerdings nur, um gleich wieder aufzulegen! Die sonst durchaus bemühte Empfangsdame meiner Ärztin hat mich doch tatsächlich rausgeworfen. Hiermit Notiz an mich: 7:36 ist KEINE gute Zeit zum Anrufen.

Ich versuchte es nochmals, denn immerhin hatte ich bis 7:40 Zeit, bevor ich wirklich los musste. Und siehe da, manche brauchen nur eine zweite Chance. Doch auch die verlief ungewöhnlich. Ein Mann meldete sich mit „Dr. Maier“, woraufhin ich entsetzt dachte, ich hätte beim falschen Arzt angerufen, denn meine Ärztin hieß anders. Ich stammelte: „Oh Entschuldigung, da hab ich mich wohl verwählt. Ich bräuchte Fr. Dr. R.“. Der Herr am anderen Ende der Leitung erwiderte zu meiner großen Beruhigung, dass die Prozedur der vergangenen 10 Minuten nicht umsonst war: „Sie hat geheiratet und heißt jetzt „Maier“. Hui, eigentlich eine richtig schöne Nachricht.

Deshalb verzieh ich ihm wohl auch, als er verkündete, er würde noch kurz den Patienten abfertigen und wäre dann gleich für mich da. Es dauerte dann tatsächlich keine Minute und er fragte nach meinem Anliegen. Rasch bekam ich einen Kontrolltermin, der mir zeitlich gut passte. Und über sowas kann ich mich echt freuen, denn das ist keine Selbstverständlichkeit.

Genial daran war schließlich, dass er sich offensichtlich auch freute, mir unkompliziert weitergeholfen zu haben. Er wünschte mir beinahe überschwänglich einen schönen Tag und ich legte sogar mit einem Lächeln auf. Ich kann mich nicht erinnern, dass das ein Arztanruf je bei mir bewirkt hätte. Daher Glückwunsch an den charmanten Herrn am anderen Ende der Leitung! Er hat seinen Job nicht verfehlt. Die Warteschleifenmusik würde ich aber zum AMS schicken.

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