Aufwand vs. Nutzen ;)

Wie in vielen anderen Bereichen überlege ich mir auch beim Konzertbesuch vorab: steht der Aufwand für den Nutzen? So viel sei verraten: Gefühl gewinnt gegen Verstand!

Großes Gewusel vor dem Eingang – in weiser Voraussicht sind wir frühzeitig angereist. Die Sicherheitskontrollen werden sorgfältig vorgenommen und vermitteln zumindest etwas Sicherheit in Zeiten der Terrorgefahr. Endlich kommen auch wir zu den grimmig dreinblickenden Securitys, fast sind wir drinnen. Doch da: eine Dame packt meine Schwester am Arm und weist sie darauf hin: „Deine Handtasche ist zu groß, die darf gar nicht mit rein.“ Als sie dafür entrüstete Blicke von uns beiden erntet, beeilt sie sich zu erklären: „Du kannst sie da hinten abgeben und nachher wieder holen.“ Aha, na dann.

Nachdem wir diese Hürde gemeistert haben und uns artig begrapschen haben lassen, ob wir eh nix reinschmuggeln, nehmen wir unsere Plätze mit guter Sicht auf die Bühne ein. Und nun heißt es warten. Beinahe hatte ich vergessen, dass da ja auch noch eine Vorband kommt. (Finde ich persönlich ja zutiefst unnötig.) Was soll‘s, den Typen kenn ich nicht und er sieht auch ein bisschen komisch aus. Zeit also, in Gedanken zu versinken und den Sänger plus Band da vorne als Hintergrundmusik zu akzeptieren…

Gedanklich schon auf der Flucht, ertönt aus den Boxen plötzlich eine vertraute Stimme! Ich fixere doch wieder den Typen auf der Bühne: Es ist doch tatsächlich er, der mir von der Stimme her aus dem Radio so bekannt vorkommt! Amüsiert und fasziniert stelle ich fest, dass seine Erscheinung für mich nicht zur Stimme passt. Seine Stimme ist tief und kräftig, klingt eher verraucht und vor allem vom Leben gezeichnet. Auf der Bühne steht jedoch ein schlanker, blonder Mann, Anfang 20, der eher aussieht als hätte er sich bisher skandalfrei auf der Glückseite des Lebens bewegt.

Auch nach drei weiteren Liedern, die mir sehr wohl vertraut waren, konnte ich noch immer nicht Recht glauben, dass die Worte aus seinem Mund kamen. Fast zu schnell hörte die Vorband für mich auf zu spielen – das ist mir auch noch nie passiert 😉

Dann hieß es wieder warten, nun auf das eigentliche Konzert. Und da Warten nicht zu meinen Stärken zählt, kommen mir in diesen Momenten immer Zweifel, ob sich dieser ganz „Aufwand“ eines Konzertbesuchs tatsächlich lohnt, oder die CD der Band nicht genauso schön anzuhören ist. ABER: Meine Zweifel wurden eliminiert. Kennt ihr den Moment, wenn der Sänger einen Song ankündigt, das Publikum vor dem ersten Ton schon weiß, was kommt und eine Welle der Begeisterung die Halle füllt? Ich finde das irrsinnig bewegend und fragte mich während dieser Szene: Wie muss es dem Interpreten gehen, wenn da mehrere tausend Leute Wort für Wort, Zeile um Zeile dieses Liebeslied mit dir gemeinsam singen? Es muss ein großer Genuss sein! Und eine hohe Auszeichnung.

Genauso wichtig wie die Textsicherheit der Fans ist für den Künstler wohl auch die Länge und Intensität des Applauses. Ich bin ja kein Fan von ewigem Geklatsche, um beispielsweise den Star für eine Zugabe wieder auf die Bühne zu holen. Aber ich sehe es ein: Man drückt damit aus, dass einem das Konzert gefallen hat und wenn dem so ist, tut man dem Sänger ja auch irgendwie gerne den Gefallen und ignoriert das Brennen in den Händen und klatsch weiter bis zum endgültigen Ende.

Mit leicht brennenden Händen und gefühlt tauben Ohren gings anschließend unter großem Gedränge dem heißersehnten Schlaf entgegen – natürlich nicht ohne vorher noch die zu groß gewesene Handtasche wieder abzuholen 😉

4 Kommentare zu “Aufwand vs. Nutzen ;)

  1. sara alias sgkunst

    Was für ein toller Beitrag, liebe Sarah (mit h)!
    Ich habe fast etwas Gänsehaut bekommen ^^

    Du beschreibst super, wie man sich zu den einzelnen Etappen fühlt. Mein schlimmster Moment am Einlass war, als die eine Frau meine Kamera sah und meint: „Darf ich die mal haben? Ich muss nachfragen, ob das Objektiv nicht zu groß ist.“ Es gab nämlich eine neue Regelung, dass die besten Bilder den Fotografen mit den fetten Teleobjektiven vorbehalten sind. – Zum Glück durfte ich sie mit hinein nehmen. Phuu, Schwein gehabt!

    Über die Vorband ärgere ich mich auch immer wieder. Manchmal werden Gruppen eingeladen, die gar nicht zur Musik des Headliners passen. Dann stehen alle da und schütteln verständnislos den Kopf. Aber ich habe auch schon tolle Bands auf diesem Wege kennen gelernt.

    Achja und der „So-sieht-der-aus?!“-Effekt ist mich auch nur zu bekannt. Besonders schlimm ist es auf Festivals. Ich gehe jährlich auf das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig (WGT), wenn es möglich ist. Vorher höre ich mich durch die Grufti-Playlists um die Bands ein wenig nach meinem Geschmack zuzuordnen. Ich bevorzuge gerne tiefe männliche Stimmen, weibliche engelsstimmchen oder sehr markante, verrückte Sänger. Da habe ich dann auch schon gelegentlich einen Schock erlebt, als ich dann sah aus welcher Person diese Töne kommen. Einmal rätselten wir bis zum Schluss, ob die Sängerin weiblich oder männlich ist, weil sowohl ich aussehen als auch ihre Stimme sehr uni-sex war 😀

    Hachja, ich könnte Seitenweise schwärmen 😉
    Ich bin schon vor dem Konzert immer aufgeladen wie eine Autobatterie. dadurch fällt mir das elende Warten gar nicht so auf 🙂

    Liebe Grüße > sara (ohne h)

    1. Sarah Autor des Beitrags

      Liebe Sara,

      danke für deinen Kommentar! Es freut mich sehr, wenn mein Beitrag dir gefallen hat 🙂

      Oh das Erlebnis mit der Kamera war sicher schräg – zum Glück ist es gut ausgegangen!

      Hihi schön zu lesen, dass es anderen bei den Vorbands ähnlich geht!
      Es macht sicher Sinn, sich beim Festival vorher zu informieren, auch wenn es tortzdem Überraschungsmomente gibt – aber die machen es schließlich aus 😉

      Liebe Grüße, Sarah

  2. shadownlight

    Hey,
    ach ja, ich besuche Konzerte seit 24 Jahren und die Sicherheitsvorkehrungen sind so heftig geworden. Nichts desto trotz sind diese sehr wichtig. Trotzdem fühle ich mich mittlerweile schon etwas unwohl auf Konzerten, da die Angst doch immer ein wenig eine Rolle spielt.
    Liebe Grüße!

    1. Sarah Autor des Beitrags

      Hallo,
      ja das hast du Recht, die sicherheitsvorkehrungen sind unverzichtbar, dennoch bleibt ein bisschen Unbehagen..
      lg Sarah

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