Ein Herbstmorgen in Linz

Der Wind pfeift durchs offene Fenster und weckt mich an einem Mittwochmorgen auf. Ich werfe einen Blick auf mein Handy und lese 5:02. Überrascht stelle ich fest, dass ich mal wieder vor meinem Wecker – welcher um 5:15 hätte läuten sollen – aufgewacht bin. Normalerweise stehe ich erst viel später auf, doch ich wollte an diesem Tag einen schönen Herbst-Sonnenaufgang fotografieren, bevor es anschließend in die Arbeit geht.

Statt Sonne gibt es nur Nebel…

Im Auto Platz genommen, erlebe ich eine Überraschung. Es ist neblig. Da ich jetzt schon im Auto sitze, entschließe ich mich zu dem geplanten Spot zu fahren. Auch in der Hoffnung, dass sich der Nebel doch noch lichtet. Am Zielort angekommen und mit einem freien Ausblick ohne Häuser, die einem die Sicht versperren, bemerke ich schnell, dass ich nicht mehr auf die Sonne zu hoffen brauche.

Schnell verschwindet jedoch die anfängliche Ärgernis und wandelt sich in Begeisterung. Durch das eingeschränkte Sichtfeld nehme ich meine direkte Umgebung deutlicher wahr. Ich entdecke Objekte, welche mir vorher nie aufgefallen wären und durch welche die umliegenden Gebäude anders betont werden. Meine Kreativität wird immer wieder neu inspiriert.

Von den bisherigen Erlebnissen begeistert entschließe ich mich der Donau flussabwärts weiter zu folgen. Auch aufgrund der geringen Sichtweite läuft mein Gehör zu Höchstleistungen auf. Ich höre Stimmen, so als ob jemand angefeuert wird. Ich weiß jedoch, nicht ob diese Stimmen vom Ufer oder vom Fluss kommen. Ich lasse meinen Blick schweifen und entdecke nahe der Sichtgrenze ein SportKannu und die darin sitzenden Ruderer, die schon Früh am Morgen ihre Bahnen ziehen.

Mystische Stimmung entlang der Donau…

Ich setze meinen Spaziergang fort. Diesen Weg bin ich schon viele Male entlang gegangen, jedoch entdecke ich heute durch die bewusste Wahrnehmung der Umgebung viele neue Details.
Plötzlich höre ich Motorengeräusche, doch wie soll es auch anders sein, ich sehe nichts. Die Geräusche werden langsam immer lauter und gebannt starre ich auf die Donau und erwarte ein Schiff zu sehen. Stattdessen kommen am Ufer Wellen an. Schon komisch, denke ich mir, zuerst sehe ich doch immer das Schiff und dann die Wellen. Ich erhebe meinen Blick und sehe majestätisch ein weißes Passagierschiff aus dem Neben hervorkommen. Die Konturen werden klarer, je näher mir das Schiff kommt, der geringe Kontrast zu dem ihm umgebenen Nebel lässt die Szene jedoch fast gespenstisch wirken. Ich setze mich auf einen Baumstumpf und verfolge mit Begeisterung die weiße Erscheinung, wie sie wieder im dichten Nebel verschwindet und auch die Motorengeräusche wieder langsam leiser werden.

Einen Blick auf die Uhr werfend stelle ich fest, dass ich nun schon fast eine Stunde unterwegs bin und es langsam Zeit wird kehrt zu machen, auch werden Gesicht und Hände immer kälter.
Im warmen Auto angekommen, stelle ich schmunzelnd fest, dass es vielleicht besser ist, dass es heute keinen Sonnenschein gibt.

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