Eine Stadt erwacht …

Heute Früh war ich darauf aus, ein schönes Foto der Stadt in der ich lebe bei Sonnenaufgang aufzunehmen. Ich blicke von einer Anhöhe auf die sich noch im Schlaf befindliche Stadt in Richtung Osten hinunter und suche nach dem optimalen Motiv. Ich stelle das Stativ auf und positioniere die Kamera. Das Modusrad ist auf Manuell gestellt und die notwendigen Einstellungen sind vorgenommen. Nun heißt es warten. Ich blicke auf die Hügelkette und warte darauf, dass ein oranges Licht dahinter aufleuchtet, das die Sonne ankündigt.

Soweit der Plan. Wie so oft im Leben verläuft nicht alles nach Wunsch. Am Tag zuvor habe ich alle Vorbereitungen getroffen. Die Speicherkarte leergeräumt, den Akku aufgeladen, die Linse gereinigt und alle Einstellungen im manuellen Modus zurückgesetzt. Außerdem habe ich mir in der App „Sun Surveyor“ (http://www.sunsurveyor.com) – welche mir in der Vergangenheit zuverlässige Daten geliefert hat – für meine Location den Zeitpunkt des Sonnenaufgangs herausgesucht, nämlich 05:41.

Am nächsten Morgen läutet der Wecker um fünf Uhr morgens. Nach einer Tasse Kaffee gepaart mit dem Lesen der neuesten Schlagzeilen, meiner Morgenhygiene und dem Zusammenpacken aller Dinge, welche ich sowohl für das Fotografieren als auch für den nachfolgenden Arbeitstag benötige, steige ich ins Auto und fahre auf den von mir am geeignetsten gesehenen Spot für ein schönes Bild der aufgehenden Sonne über Linz.
Oben angekommen genügt ein Blick auf die Uhr im Display des Autos, welche 05:29 anzeigt um in mir das Gefühl von Ruhe und Gelassenheit auszulösen. Schließlich habe ich noch genügend Zeit für den etwa 7min betragenden Fußweg bis zum Aussichtspunkt. Ich steuere das Auto rückwärts auf den Parkplatz, wobei die Front des Autos in Richtung Osten zeigt. Plötzlich erkenne ich auf der schwarzen Motorhaube Sonnenstrahlen, die ich vorher – durch zahlreiche Gebäude verdeckt – nicht bemerkt habe. Sowohl die Ruhe als auch die Gelassenheit sind weg. Schon vier Tage habe ich darauf gehofft, dass das Wetter in der Früh mitspielt und Wolken und Nebel nicht die Sonne verdecken. Auch für den morgigen Tag war Schlechtwetter angekündigt. Innerhalb von Sekunden packte ich meine Kamera und das Stativ und machte zwei Fotos vom Parkplatz aus gen Osten, damit ich zumindest etwas hatte, sollte die Sonne bereits zu weit oben sein, wenn ich beim Aussichtpunkt angelangt bin.

Ich sprinte los, mein Weg führt ein paar Meter an der Straße entlang bevor ich in den Wald abbiege. Rechts von mir sehe ich immer wieder Sonnenstrahlen durch die dichten Bäume hindurchblitzen. Ich kann aber nicht erkennen, wie hoch die Sonne schon steht. Der Wald zeigt sich von seiner ruhigen Seite, da an diesem Tag kein Wind weht. Einzig die Vögel zwitschern der Sonne entgegen. Ich begegne einem Läufer der bedacht seine Dehnübungen macht. „Wann musste dieser Läufer bereits hier gewesen sein, wenn er seine Runde schon beendet hat“, kommt mir in den Sinn. Einige Meter weiter sehe ich einen weiteren Läufer vor mir, welcher in die gleiche Richtung wie ich läuft. Während sein Ziel nur die morgendliche Laufrunde darstellt und er in Ruhe läuft, so renne ich hektisch an ihm vorbei, da mein es mein Ziel ist möglichst bald auf der Aussichtplattform anzukommen. Es bleibt keine Zeit die schöne Kapelle rechts von mir oder die sich in den Himmel streckende Festung zu meiner Linken zu betrachten, vor Augen habe ich immer die Aussichtsplattform. Endlich erreiche ich mein Ziel und sehe vor mir diesen atemberaubenden Anblick.

Ein Sonnenaufgang hat für uns viele Bedeutungen …

Gefühlsmäßig beginnt für die meisten Menschen der Tag nicht um Mitternacht sondern bei Sonnenaufgang. Das Sonnenlicht vertreibt die Dunkelheit bringt uns Wärme, Licht und Leben zurück. Bei Tageslicht sieht unsere Umwelt anders aus. Wir nehmen sie vermutlich aufmerksamer wahr, doch vor allem sehen wir sie positiver. Der neue Tag beginnt, der alte ging zur Neige.

Wenn wir einen schlechten Tag erlebt haben, freuen wir uns bereits auf den nächsten Tag. Wir erleben ihn als Neuanfang, die Dunkelheit und die dazugehörigen dunklen Gedanken, die Fehlschläge, Missgeschicke und negativen Erlebnisse lassen wir hinter uns durch Emotionen wie Freude, Begeisterung, Frohsinn und Tatendrang.
Sind wir eventuell darauf programmiert so zu denken und zu fühlen? Passiert dies aufgrund des wiederkehrenden Rhythmuses von Tag und Nacht? Oder ist es nur unsere Sehnsucht nach Licht und Wärme und die daraus folgenden Emotionen wie Freude und Geborgenheit zu spüren?
Die feuerrote Sonnenkugel erhebt sich langsam über die Hügelspitzen und hüllt die Stadt in den wunderschönen Gelb-, Orange- und Rottönen. Ein wundervoller und atemberaubender Anblick. Es scheint als ob die Stadt unter mir die ganze Nacht wie ein gespannter Bogen darauf gewartet hat und den Tag zu starten. Voller Freude auf den neuen Tag.
Wir wissen, dass ein Sonnenaufgang dadurch entsteht, dass die Sonne durch Rotation der Erde um deren eigene Achse entsteht, da die Sonne dann wieder im Blickfeld erscheint. Emotional gesehen ist es aber ein tagtäglicher Neustart des neuen Tages.
Endlich schaffe ich es mich von dem Anblick und meinen Gedanken zu lösen. Das Stativ ist mit wenigen Handgriffen aufgebaut und die Kamera an diesem fixiert. Bevor ich den Auslöser betätige, blicke ich noch einmal über die Stadt, genieße die Aussicht einer mir bekannten, doch in diesen Farben noch fremden Stadt. Schließlich betätige ich den Auslöser. Ich habe es geschafft. Ich habe eine noch schlafende Stadt, welche langsam im Schein der Sonne aufwacht um einen weiteren Tag zu erleben auf einer Fotografie eingefangen. Es ist die wunderschöne Stadt Linz.

 

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