Erfolg beginnt im Kopf?

Skisprungschanze am Holmenkollen

Es war zu der Zeit als das österreichische Skisprung-Team um Alexander Pointner gerade sehr erfolgreich war, als ich mich für Skispringen begeistern konnte. Skifahren hatte ich bis dahin

bereits regelmäßig verfolgt, doch Skispringen hatte ich lange Zeit langweilig gefunden. Der Fernseher war dennoch meist eingeschalten, weil meine Schwester es verfolgte. Da kam die Zeit von Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer und sie sprangen von Sieg zu Sieg und von Medaille zu Medaille. Bei den Berichterstattungen wirkten sie trotz ihrer harten Arbeit und dem sicherlich großen Druck locker und entspannt. Sie scherzten miteinander und gaben professionelle Interviews. Das beeindruckte mich!

Immer wieder fragte ich mich, wie unendlich nervös man sein muss, wenn man da oben am Balken sitzt, vielleicht sogar als letzter springt, weil man nach dem ersten Durchgang in Führung lag… Da waren alle Augen und Kameras auf einen gerichtet. Unzählige Leute haben hohe Erwartungen an einen. Und dann kommt es genau auf diesen einen Moment an. Es ist ziemlich egal, wie viele Erfolge man bereits hatte und dass man sein Talent, seine Fähigkeiten in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt hatte. Es ist dieser eine Moment der zählt… und wo letztlich auch alles schief gehen kann. Und dann soll man Ruhe bewahren und sein bestmögliche Leistung bringen?! Finde ich gelinde gesagt ziemlich viel verlangt.

Das Erfolgsgeheimnis

Mich fesselten dann meist die Interviews im Nachhinein, wo die Sportler einfache und schwierigere, relevante und uninteressante Frage beantworten mussten. Und da sagte einer der österreichischen Stars mal (ich weiß leider nicht mehr wer von ihnen), dass sie da eine ganze spezielle „Methode“ anwenden: Wenn du dich auf den Moment x vorbereitest, spielst du im Kopf immer wieder die Szene ab, wie es ist, wenn du dein Ziel erreicht hast.

Klang für mich sehr interessant und ich versuchte sogar das anzuwenden. Der Skispringer stellt sich also in seiner Vorbereitung immer wieder vor, wie sich der perfekte Sprung anfühlt. Ich vermute mal, man geht da jedes Detail durch, von der Umsetzung bis zum Gefühl, das sich im Falle des Erfolgs breitmachen muss.

Mündliche Prüfungen

Ich hab es dann auch ausprobiert. Bei mir stand mein Masterstudien-Abschluss vor der Tür. Und ich hatte Angst davor. Schriftliche Prüfungen waren nie ein Problem gewesen. Mündliche schon eher. Meine einzige große mündliche Prüfung war die Matura gewesen. Damals war ich in der Vorbereitungsphase kaum nervös. Ich hatte den schriftlichen Teil fast zu meiner vollen Zufriedenheit erledigt und war zuversichtlich auch den zweiten gut zu schaffen. Leider ereilte mich genau bei der ersten der drei Prüfungen ein kleines Blackout. Ich hatte einen Denkfehler in meinem eigentlichen Lieblingsfach, Mathe. Als ich das checkte wurde ich unendlich nervös. Zumindest die weiteren Prüfungen meisterte ich sehr gut. Letztlich wars dann zwar eh ein ausgezeichneter Erfolg, allerdings nicht mit lauter Einser, die eigentlich realistisch gewesen wären. Das war nun kein Drama, weder für mich noch für meine Eltern oder sonst wen. Aber zu wissen, man hätte es besser gekonnt…

Nun war ich auch im Studium nicht übertrieben ehrgeizig sondern einfach fleißig, weil es mir Spaß machte. Und zum Masterabschluss wären lauter Einser wieder realistisch gewesen. Da war dann schon die Angst da, mir könnte nochmal derselbe Fehler passieren. Das hätte mich geärgert.

Gute Vorbereitung

Somit bereitete ich mich sehr gründlich vor, auch mental – was schon mal eine Veränderung zur Matura war. Und ich hatte ja auch die Erkenntnis aus dem Skisprungmetier! Ich verkündete mein Ziel nicht offiziell, um mir keinen unnötigen Druck zu machen, aber ich träumte schon davon, dieses Mal ausschließlich Einser zu schaffen, was ich seit der 1. Klasse Volksschule nicht mehr hatte.

Immer wieder wenn ich in Gedanken versank, malte ich mir aus, welch befreiendes und schönes Gefühl es sein musste, dieses Ziel zu erreichen. Ich versuchte mir die Prüfungssituation vor Augen zu holen. Was werde ich anziehen, um mich auch professionell zu fühlen und nicht wie das kleine Kind vor den drei respekteinflößenden Professoren zu stehen, war nur eine von mehreren Fragen, die mich beschäftigten. Meine Mama bewies schließlich ein Händchen fürs richtige Outfit (ich weiß ja warum ich sie nach wie vor gern zum Shoppen mitnehme ;)) und auch sonst war ich mit meinen Vorbereitungen zufrieden.

Das letzte Wochenende vor der Prüfung kam, ich war ausnahmsweise sogar im Zeitplan und hatte somit auch die Gelegenheit, den Stoff nochmal zu wiederholen. Leichte Panik machte sich breit, weil ich doch einiges noch nicht beherrschte.

Der Tag X

Am Montagmorgen hatte ich die Ehre von meiner Schwester zum Prüfungsort kutschiert zu werden. Noch nicht sagen könnend, ob es wohl als Ort des Grauens oder doch als Ort des Triumphes in Erinnerung bleiben würde. Ich wäre übrigens fahrunfähig gewesen, weil mir plötzlich richtig schlecht war.

Ich betrat den Raum, schloss den Laptop für die Präsentation meiner Masterarbeitsergebnisse an und versuchte mich zu sammeln. Sicherlich halfen die aufmunternden Worte meines Professors, der meinte: „Ich freue mich auf Ihre Präsentation, denn ich bin überzeugt davon, dass Sie das gut meistern!“

Dann war ich noch für ein paar Minuten allein im Raum und die waren Gold wert. Ich warf einen Blick durchs Fenster und dachte an die vorbildhaften Skispringer. Noch einmal schloss ich kurz die Augen, wie ich es schon die Wochen oder eigentlich Monate zuvor getan hatte und versuchte das Gefühl zu fassen, das sich nach der Prüfung doch breitmachen sollte.

Der finale „Sprung“

Um zum Ende zu kommen: Die Prüfung gelang nahezu perfekt, eine kleine Frage am Schluss blieb die einzige, die ich nicht beantworten konnte. Nach 45 Minuten war die Arbeit getan und ich rechnete bei der strengen Professorin mit einer Zwei, konnte mir aber nichts vorwerfen, da die Frage nicht im angegebenen Stoff enthalten war und ich somit meiner Meinung nach das möglichste getan hatte.

Als mich die drei Herrschaften nach einer kurzen Besprechung zur Verkündung meiner Noten nochmals in den Raum baten, konnte ich es kaum fassen als alle drei lächelnd und mit stolzer Brust Spalier standen, der Vorsitzende mir die Hand hinstreckte und mir verkündete: Ich gratuliere Ihnen zum ausgezeichneten Erfolg! Sie haben mit lauter Einser abgeschlossen!

Das war er also gewesen: Der perfekte „Sprung“, so wie ich ihn mir viele Male vorgestellt hatte 🙂

Ein Kommentar zu “Erfolg beginnt im Kopf?

  1. Karin

    Du hast dir diesen perfekten “ Sprung“ so verdient Sarah!! Bin jetzt noch ganz begeistert und gerührt. Ich kann mich noch genau an deine Ausstrahlung nach der Masterprüfung erinnern!

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