Frühlingsbeginn verpasst?

Träge und gefühlt dauermüde bewältigte ich die letzten zwei Wochen den Alltag. Ich frage mich besorgt, was bloß los war mit mir? Steckte ein Infekt oder hat mich gar die berüchtigte Frühjahrsmüdigkeit ereilt?

Obwohl ich doch eher Frühaufsteher denn Nachteule bin, quälte ich mich schläfrig durch den morgendlichen Verkehr. Die aufgehende Sonne am wolkenlosen Himmel hätte sogar ein buntes und sehenswertes Kunstwerk gezeichnet. (Darüber kann ich mich normalerweise freuen und es wirkt sich positiv auf meine Laune aus.)

Kaum schien dann die Sonne am späten Vormittag gleißend hell beim Bürofenster herein, griff ich sofort zur Rollo, um dem grellen Licht Herr zu werden. Man will ja schließlich bei der Arbeit nicht gestört werden. Die Buchstaben am Monitor hätte nicht mehr entziffert werden können und der Ausblick in den Garten hätte womöglich zum Träumen verleitet! Hmh… wobei, wovon hätte ich geträumt? Von der malerischen Natur, wie sie aus ihrem Winterschlaf erwacht? Von den tiefen Atemzügen in der Frühlingsluft, die die Lebensgeister wecken? Dunkel konnte ich mich erinnern, dass das im Frühling eigentlich so ist. Er küsst einen wach und man sprüht vor Energie. Doch das schien irgendwie noch ziemlich weit weg von mir.

(Keine) Zeit für Frühling

Meine Kollegen fragten mich, ob ich nach der Arbeit nicht Lust hätte, im Gastgarten die Sonne zu genießen. Ich musste absagen, denn ich war schon verplant.

Der nächste Tag verlief nicht anders. Ich kam abends heim und es war noch hell wie mitten am Tag. Meine Familie fragte, ob ich mit Spazierengehen wolle. Ich lehnte ab, denn die Augen brannten von den vielen Stunden vorm PC und ich wollte lieber ein Nickerchen machen. Ich entschied mich also fürs Schlafen, auch wenn ich vom Auto aus schon einige Radfahrer und Läufer beobachtet hatte und sie mir glücklich zu sein schienen. Ich nahm mir fest vor, mir ehestmöglich Zeit für Sport in der Natur zu nehmen.

So kam es, dass ich mich einige Tage später trotz der mittlerweile fast vertrauten Trägheit aufs Rad schwang. Die ersten Tritte waren schwerfällig, der erste Anstieg zehrte an meiner Motivation und als ich zur Mittagspause abstieg, lungerte ich nach nicht mal einer Stunde Fahrt kraftlos auf einer schattigen Bank.

Gestärkt ginge es auf den Nachhauseweg. Die Vögel trällerten ihre fröhlichen Lieder, der Himmel lächelte milde in blassblau, aber das Gras der Wiesen, das war für mich der Star! In kräftigem Grün gab es sein Lebenszeichen. Etwas verdutzt von der intensiven Farbe, nahm ich kurz die Sonnenbrille ab, um mich zu vergewissern, ob das denn in Echt tatsächlich so gut aussah. Erstaunt stellte ich fest, dass ich keinen Makel finden konnte. Die Natur ist eben Meister im Beeindrucken ihrer Zuseher 😉

Endlich ankommen

Da riskierte ich noch einen Blick, weg vom Boden auf dem ich fuhr und entdeckte ein paar Blümlein, dicht gedrängt in kleinen Gruppen, versammelten sie sich auf der Wiese und setzten Akzente in Gelb und Weiß. Ein Innenarchitekt hätte es nicht kitschiger planen können. Die Menschen taten es den Pflanzen gleich. Sie huschten nicht mehr in geduckter Haltung mit eingezogenen Köpfen von einem Ort zum anderen, denn die kalte Jahreszeit war vorbei. Kinder wie Erwachsene bevölkerten die Wege und Wiesen und hatten Freude dabei. Ich manövrierte mein Fahrrad durch die sonnentrunkenen Gestalten und war schon fast zuhause angekommen. Da passierte etwas, das ich so bisher noch kaum erlebt habe: Ich wurde traurig. Ich bedauerte, dass mein Ausflug ins Grüne vorbei war. (Das passiert mir beim Radfahren selten, weil ich eher außer Atem und verschwitzt heimkomme und mich nach einer Dusche sehne).

Mit diesem neuen Gefühl musste ich erst mal lernen umzugehen. Ich dachte an meinen grundsätzlich vollen Terminkalender und stellte fest, dass heute die Ausnahme war und ich noch einiges an Zeit hatte. Mein Herz hatte schon entschieden. Ich bog ab, weg vom Nachhauseweg und trat in die Pedale. Und da war es endlich: das heiß ersehnte Gefühl! Ich spürte mit jedem Tritt, wie die Energie zurückkehrte. Neben meinem Kopf war nun endlich auch mein Körper im Frühling angekommen und damit auch mein Herz. Auf, auf ihr Knospen an den noch kahlen Bäumen, zeigt eure Pracht! Wir sind bereit, euch zu bewundern!

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