Irgendwo am Weg zwischen Afrika und Europa

Folgenden Text habe ich 2013 geschrieben, ist eigentlich lange her und dennoch ist er so aktuell! 🙁 Ich war damals schockiert und dieses eine Bild, wo Europäer im Mittelmeer in weißen Schutzanzügen standen und Menschen aus Afrika auf ihr Boot gezogen haben, brannte sich in meinem Gedächtnis ein. Die Szene wirkte wie von einer anderen, schrecklichen Welt. Unweigerlich stellte ich mir die Frage:

Wie fühlst du dich, wenn du überlebt hast?

So viele sind tot. Deine Familie – sie hat die Reise nicht überlebt. Ertrunken. Dich haben sie retten können. Jetzt untersuchen sie dich. Doch wonach suchen sie? Warum tragen sie Masken? Warum ist ihr Gesicht kaum zu sehen? Ihr ganzer Körper – verhüllt in Schutzkleidung.

Ich bin doch auch ein Mensch! Genau wie ihr…

Warum behandeln sie mich wie ein Tier? Was hab ich ihnen getan? Sie sind meine Retter. Sie haben mich aus dem Meer gefischt. Unser Boot ist gekentert. Wir waren so viele! Wir haben gemeinsamt gehofft, gebetet, gelitten. Wir hatten ein gemeinsames Ziel. Europa. Das süße Versprechen. Dort ist alles besser. Hier ist alles besser. Oder doch nicht?

Wo bin ich hier gelandet? Sie tun mir weh. Wo bringt ihr mich hin? Wie geht es jetzt weiter? Ich konnte dort nicht mehr bleiben. Ich musste weg.

In Europa ist alles besser. Die Reise war hart, der Preis hoch. Mein Leben ist das einzige, was mir geblieben ist. Wie es scheint, habe ich auch meine Würde verloren. Irgendwo am Weg zwischen Afrika und Europa.

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