Möbelhäuser als Beziehungskiller?

 

Es war endlich soweit! Mein Freund und ich fuhren zum ersten Mal gemeinsam in ein Möbelhaus. Ein wichtiger Schritt in der Beziehung und wenn ich auf Freunde und Arbeitskollegen vertrauen darf, ein ganz schön kritischer noch dazu. Mittlerweile habe ich echt schon viele Schauergeschichten gehört, über Paare die sich vor, während und nach dem Möbelkauf über soeben ergattertes oder doch nicht gekauftes Inventar ordentlich stritten. „Na da kommen ja große Aufgaben auf uns zu!“, dachte ich mir immer wieder mit einem leicht mulmigen Gefühl.

Wenn wir bisher in Wohnungen und Häusern von Verwandten und Bekannten zu Gast waren, waren Tomi und ich grundsätzlich gegenteiliger Meinung, was uns denn an der Einrichtung gefällt und was nicht. Wir wussten beispielsweise bereits, dass er eher auf dunklere Küchen steht, während sie für mich unbedingt hell sein muss.

Nun standen wir also im Möbelhaus, um einfach mal ein Gefühl für den Geschmack des anderen zu bekommen und uns mal ein bisschen anzunähern an die ganze Thematik der Einrichtung. Der erste Weg führte uns zu den Küchen. Und da fanden wir gleich mal raus, dass nicht nur hell/dunkel zur Herausforderung wird, sondern für mich alles eher Ton in Ton sein muss, während für Tomi zwei konträre Farben am besten zusammenpassen.

Details wie, dass er den Backofen eher in der Höhe haben möchte und mir das zum Glück egal ist, waren dann weniger tragisch. Nur beim Geschirrspüler hielt ich kurz den Atem an, als er meinte, den bräuchten wir eigentlich gar nicht, weil er es gewohnt ist, alles mit der Hand abzuwaschen. Zum Glück ließ es sich schnell überzeugen, dass ein Geschirrspüler jedenfalls seine Berechtigung in unserer künftigen Küche haben wird! 😉

Einen amüsierten Blick von der Dame, die uns die Küche planen wird, erhielten wir, als Tomi mit der Idee kam, die Mikrowelle an einem der oberen Kästen zu montieren, damit sie sozusagen in der Luft hängt und nicht auf der Arbeitsfläche herumsteht. Sie erklärte, dass das seit Jahren nicht mehr so gemacht wird, es da viel modernere Lösungen gäbe und sie uns das daher keinesfalls empfehlen würde. Zu unserer Verteidigung: Wir sind das aus dem Elternhaus bzw. der Küche in der Arbeit teilweise so gewohnt. Und das ist auch wirklich kein Wunder, denn die Dame verriet uns, dass Herr und Frau Österreicher ihre Küche im Schnitt 28 (!) Jahre haben.

Nachdem der an diesem Tag wichtigste Teil geschafft war, beschlossen wir, uns in den anderen Abteilungen noch umzusehen. Die nächste Herausforderung wartete sogleich bei den Esstischen: Ich liebe Essecken bzw. lehne ich es ab, ausschließlich Sessel rund um dem Tisch stehen zu haben. Das ist doch nicht gemütlich! Mein Schatz jedoch ist der gegenteiligen Auffassung, allerdings sind wir hier beide kompromissbereit und könnten uns vorstellen, das jeweils andere auszuprobieren. Generell fanden wir aber nichts, das uns überhaupt gefiel und wanderten somit weiter zum nächsten Bereich: die Couch.

Und das wird wohl die schwierigste Entscheidung werden! „Mah schau, die ist super!“, sprach ich und steuerte auf mein Wunschobjekt zu. Tomi, der zwei Schritte vor mir ging, meinte zu meinem Erstaunen: „Ja, stimmt“ und ging genauso zielgerichtet auf die tolle Couch zu. Nach fünf weiteren Schritten räusperte ich mich und rief ihm nach: „Hey, du bist vorbeigegangen!“ Er war doch tatsächlich zur der daneben gegangen. Er grinste mich an und entgegnete: „Die dort ist ja schirch, die hier ist perfekt“. Ich atmete tief ein und wir fassten zusammen: Tomi steht auf eine schmale Couch, evtl. mit Leder, Hauptsache sie sieht elegant aus. Für mich hingegen ist das wichtigste Kriterium die Gemütlichkeit, darum plädiere ich für eine breite Couch!

Fazit: Das wird noch ein schwieriges Verhandlungsthema.

Bei Bad und Schlafzimmer ereilte uns ein ähnliches Schicksal: für mich sollten die Möbel Ton in Ton und eher hell sein, für Tomi eher dunkel bzw. mit Akzenten.

Mein Standardsatz nach jeder Abteilung war: Wir haben ja noch gaaanz viel Zeit bis wir uns endgültig entscheiden müssen. Darum konnten wir wohl auch trotz der sehr unterschiedlichen Geschmäcker vorerst mal Hand in Hand und soweit amüsiert aus dem Möbelhaus schlendern. Nicht ohne kurz vorm Ausgang noch beim Geschirr vorbei zu kommen und festzustellen, dass uns hier dasselbe Set gefallen hätte! Es besteht also Hoffnung, dass nicht jedes Detail ein Kampf wird 😉

2 Kommentare zu “Möbelhäuser als Beziehungskiller?

  1. Horst

    Ich habe da gute Nachrichten für dich. Meine Frau und ich sind 42 Jahre verheiratet. Früher ™ haben wir uns schnell und locker auf die Teile (egal, worum es ging) geeinigt. Heute ist es mir ein Graus, wenn es (mal) um neue Möbel geht. Bei der Küche waren wir uns aber schnell einig. Es ist übrigens eine helle, Ton in Ton gehaltene, Küche 🙂 Beim Schlaf- und Wohnzimmer sah es anders aus. Für ein Bett oder eine Couch brauchen wir schon mal mehrere Anläufe. Mit einem Besuch im Möbelhaus ist da nichts getan. Und manchmal wird es auch schon mal ein bisschen kontrovers. Zu deiner Erleichterung muss ich allerdings zugeben, dass sich die tatsächlichen Abläufe in meiner Erinnerung immer positiv verklären. Vielleicht war es also auch damals schon so.

    1. Sarah Autor des Beitrags

      Haha, danke für die gute Nachricht 🙂
      Wow, 42 Jahre, das ist cool!
      Ja ich stell mich eh schon auf mehrere Besuche in Möbelhäusern ein.. Aber das ist okay, Beziehung bringt immer Kompromisse mit sich.
      lg

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