Nicht im Hier, sondern bei Ihr …

Gerade in Gedanken gewesen, und soeben aufgeschreckt. Ich nehme die Umgebung wieder wahr, bin im Hier und Jetzt. Mir passiert das sehr oft. Dann sind wir in Gedanken weit weg, etwa bei der Arbeit, in der Schule, auf der Uni, bei Checklisten oder aber bei der Liebsten oder dem Liebsten.

Dieses Foto nahm ich einige Minuten vor dem Versinken in meine Gedanken- bzw. Gefühlswelt auf.
Eine Stadt, umgeben von niedrigen Bergen, liegt vor mir. Ich stehe auf einem der Berge und blicke aus südlicher Richtung auf die Stadt. Eine, mit der ich viel verbinde, meine Geburtsstadt. Ich habe dort einen sehr kleinen, ja fast unbedeutenden Teil meiner Kindheit verbracht. Dennoch kenne ich sie sehr gut. Mir fällt die Orientierung aus der Ferne leicht. Ich positioniere die Kamera, stelle die von mir gewünschten Einstellungen ein und drücke ab. Dann blicke ich auf die Stadt und genieße den Anblick.

Plötzlich blicke ich ins Leere, meine Gedanken gehen auf Reisen, ich bin nur mehr körperlich anwesend. Meine Gedanken sind bei der Person, die in meinem Leben eine große Rolle spielt. Es ist die, Frau die ich liebe. Oft wenn sie nicht bei mir ist, bin ich in Gedanken bei ihr. Wenn ich arbeite und ich mir vorstelle, wie sie es machen würde. Wenn ich lerne und mir genau vorstellen kann, was sie mir wie erklären würde, wenn ich einkaufe und Produkte sehe, die mich an sie erinnern. Wenn sie gerade nicht bei mir ist und ich sie gerne an meiner Seite hätte.

Doch warum ist dies so? Warum kommen in unseren Gedanken oft unsere Liebsten vor? Ist es die Sehnsucht nach diesem Menschen oder ist es gar das – egoistische – Verlangen, die Person immer dabei haben zu wollen? Stellen wir uns deshalb immer vor, wie diese in gewissen Situationen agieren würde? Oder ist der Mensch ein Teil der eigenen Persönlichkeit geworden und wir denken bzw. agieren unterbewusst so wie die bessere Hälfte?

Ein klassisches Bild hierfür wären alte Ehepaare, die sich durch Kleidung, Gewohnheiten oder Aussagen immer ähnlicher werden. Gibt es eine Antwort auf diese Frage?

Es ist eine große Gabe, dass Menschen nicht nur im Hier und Jetzt leben, sondern sich auch Gedanken machen können. Meine Antwort ist eigentlich simpel, vielleicht mache ich es mir aber auch zu einfach. Für mich ist es eine Kombination aus Verlangen nach der Nähe dieser Person, doch entdecke ich tagtäglich immer öfters, dass ich oft Züge dieser angenommen habe. Jedoch werden wir uns nicht immer ähnlicher. Ich habe eher das Gefühl, dass wir uns dadurch immer mehr und mehr ergänzen.
Mein Tagtraum endet an diesem Punkt. Ich höre wieder das Zwitschern der Vögel, das Pfeifen des Windes und nehme den Geruch der Natur wieder wahr. Ich blicke wieder bewusst auf diese Kulisse. Welchen Gedanken dieses Bild bei mir auslöst? Zum einen das Gefühl, dass da draußen jemand ist der zu einem gehört. Zum anderen der Beweis, dass egal wo sich die Personen befinden, man immer zusammen ist. Sowohl in Gedanken, wie im Herzen.

 

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