Schreiduelle in der Nacht :(

(Symbolfoto)

In den letzten Monaten ist ein Gedanke vor dem Einschlafen leider zur Gewohnheit geworden: Streiten sie heute Nacht wieder?

Meine Nachbarn in der Wohnung über uns haben dafür leider ein Talent. Beide jenseits der 50, er Alkoholiker, seine aktuelle Freundin mit psychischen Problemen (laut seinen Angaben), geben das (Alp-)Traumpaar für meine Nächte ab. Alle paar Tage gipfeln ihre Streitereien in Schreiduellen. So auch letzte Woche:

Soeben habe ich mich ins Bett gelegt. Das Licht ist aus, die Rollo ganz herunten – ich bevorzuge es so finster und still wie möglich. Der Arbeitstag war fordernd, am nächsten warten viele Aufgaben plus eine nette Abendveranstaltung, für die noch einiges vorzubereiten ist. Höchste Zeit also erholsamen Schlaf zu finden, um fit zu sein, wenn der Wecker um 6:20 unbarmherzig den nächsten Tag beginnen lässt.

Unter der Decke ist es kuschelig warm, die Augen sind schwer, der Atem wird ruhig und gleichmäßig. Die Gedanken lösen sich von der Arbeit und bald gleiten sie ins Land der Träume. Doch da durchdringt ein Schrei die Stille, begleitet von heftigem Gepolter. Ich schrecke hoch, mein Puls rast: Was ist passiert?! Lauert Gefahr? Brennt es? Wer schreit da überhaupt??

Rund um mich ist es noch genauso dunkel und still wie vor wenigen Minuten. Doch da kommt schon die Antwort auf meine Fragen – die nächsten Schreie. Herr und Frau Nachbar streiten also wieder. Dass sie es immer wieder schaffen mich aus dem Schlaf zu reißen und dabei so zu erschrecken… Ärgerlich!

Ich versuche mich zu beruhigen, weiß ich doch, dass das wirklich nichts ungewöhnliches ist, sie (zugegeben makaber ausgedrückt) noch jeden Streiten überlebt haben und sich anscheinend alles schlimmer anhört als es ist, sonst würden sie die Beziehung vermutlich einfach wieder beenden. Doch es steht mir nicht zu, hier zu mutmaßen. Überlegt haben wir ja schon oft, ob wir nicht die Polizei einschalten sollten. Zumindest mal zwecks Ruhestörunng. Das wäre auch mehr als gerechtfertigt. Denn von nun an liege ich wach. Und zwar durchaus länger. Denn die beiden Herrschaften sind ziemlich ausdauernd im Streiten. Unglaublich wie lange sie eigentlich schreien können. Wie viel Energie die haben und wie viel Schimpfwörter sie kennen und wie lange man eigentlich heulen kann…

Da schwingt jetzt viel Sarkasmus mit und mein Ärger über diese ständige Lärmbelästigung ist wohl auch nicht überlesen. Während ich aber in meinem Bett liege und ihnen gezwungenermaßen beim Streiten zuhöre, mach ich mich nicht darüber lustig, sondern leide eher mit.

Heftige Streitereien im Film zu sehen oder in einem Buch zu lesen ist das eine, es aber im wahren Leben mitzubekommen, macht mich jedes Mal betroffen. Das tut MIR weh, wenn ich höre, wie sehr sie sich gegenseitig mit Worten verletzen, wie tief sie sich treffen, wie verzweifelt und traurig sie sind.

Da ist es dann vorbei mit meinem Seelenfrieden. Ich kann da nicht entspannt daliegen, an was Schönes denken und mit einem Lächeln auf den Lippen einschlafen. Mag sein, dass ich einfach zu sensibel bin. Aus Selbstschutz wäre aber etwas weniger Empathiefähigkeit manchmal gut für mich.

Wenn ich da so liege und abwechselnd sie und ihn schreien höre, kommt mir noch ein Gedanke: Ich bin so froh, kein Scheidungskind zu sein. Dann wäre ich vielleicht abgehärtet und würde auf diese Situation nicht so empfindlich reagieren. Aber das muss echt schlimm sein, wenn man diese Streitereien bei den eigenen Eltern miterleben muss. Bitte nicht falsch verstehen: Streiten gehört dazu, aber es ist so ein Unterschied zwischen gelegentlichen Meinungsverschiedenheiten und permanenten gegenseitigen Beschimpfungen.

Nach einer Stunde Schreiduell wird es uns zu bunt, wir läuten bei den Nachbarn, dann ist es ruhig – zumindest bis 5 Uhr morgens, denn da flammen die Anfeindungen wieder auf.

Ehrlich gesagt, finde ich meinen Weckerton eine Stunde später (den ich dann nicht mehr bräuchte) gar nicht mehr so furchtbar. Er klingt fast schon wie Musik in meinen Ohren im Vergleich zu den Stimmen meiner Nachbarn 🙁

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