Singen oder Tanzen?

Ich denke, es ist eine Grundsatzfrage: Singen ODER Tanzen?

Es ist meiner Meinung nach leicht festzustellen: Wenn du im Auto sitzt und in leisen Tönen erklingt eines deiner Lieblingslieder – Beginnst du zu summen und singst am liebsten inbrünstig mit? Oder wippst du sachte im Takt und würdest dir gern den Gurt vom Leib reißen und dich dazu bewegen?

Ich bin in einem musikalischen Umfeld groß geworden und hab meist erlebt, dass meine Mitfahrenden zu summen oder singen begannen. Bei mir ist das definitiv anders.

Vergleichsweise lange blieb mir die Magie der Musik verborgen. Viele meiner Gleichaltrigen haben wohl hunderte Stunden „Musikhören“ Vorsprung. Doch seit ich ein eigenes Auto habe und damit den täglichen Weg zur Arbeit bewältige, habe ich erkannt, dass Musik die Stimmung schlagartig verändern kann – im Positiven, wie im Negativen.

Es war an einem der üblichen frühen Morgen, als ich noch etwas verschlafen im Auto saß und mich eher unmotiviert in den rollenden Verkehr auf der Autobahn einordnete. Ich dachte immer, da ich nicht sonderlich gut singen kann (vor allem im Vergleich zu meiner begnadeten Familie), ist die Musik auch nichts für mich. Eigentlich hätte ich es dennoch wissen müssen: Tanzkurse, sei es klassisch der Standard-/Latein-Tanzkurs, der Jazz-Dance aber auch der Hip Hop Kurs, taugten mir sehr und ließen mich alles um mich herum vergessen.

Doch erst an jenem grauen Morgen im Auto war es mir gegönnt, dies zu erkennen: Der Song ertönte und mich erfasste unvorbereitet der Drang, dazu zu tanzen – was im Auto ja äußerst schwierig ist und die frühmorgendlichen Leidensgenossen auf der verstopften Autobahn etwas irritiert hätte.

Obwohl ich meinem inneren Bedürfnis in diesem Fall nicht nachgehen konnte, machte mich diese Erkenntnis irgendwie glücklich. Ich hatte meinen Zugang zur Musik gefunden. Ich brauchte nicht verbissen zuhören, ob das jetzt musikalisch anspruchsvoll ist, der Sänger eine gute Stimme hat, der Text literarische Perfektion widerspiegelt oder über was man sonst noch so fachsimpeln kann, wenn man ein Gehör dafür hat. Nein, dieses Gehör brauche ich nicht. Ich brauche keine „Berechtigung“, dass ich Musik hören darf oder um urteilen zu können, ob ich sie gut finde. Ich beurteile sie danach, ob sie in mir den Drang auslöst, zu tanzen. Und ich weiß mittlerweile, dass es sehr unterschiedliche Musikrichtungen schaffen, mich zu bewegen. Ich habe gelernt, die Musik zu spüren und nicht verkrampft zuzuhören. Dann bin ich auch offen, sodass sie mich berühren kann. Und das empfinde ich definitiv als Bereicherung – nicht nur bei langwierigen Autofahrten.

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