Sonne küsst Schnee

Skifahren im Angertal in Gastein

Sorgfältig verreibe ich die Sonnencreme – ich will ja keinen Sonnenbrand! Sonnencreme ist für mich auch im Winter Pflicht, wenn es auf die Berge geht. Und in diesem Fall schenkt mir ihr Geruch das schönste Versprechen: Sonne. Sonne im Skiurlaub!

Staufrei erreichen wir unser Feriendomizil, ungewohnt in der Hauptreisezeit. Wir wollen den Tag nutzen. Der Parkplatz ist überfüllt, der Skibus erfüllt seinen Dienst. Das bekannte Prozedere beginnt: Skischuhe anziehen, Helm aufsetzen, Handschuhe mitnehmen.

Und dann: der Schritt raus aus dem Gebäude des Kartenverkaufs. Ein Tor zur Welt. Stimmen erheben sich, Skifahrer brausen vorbei, andere suchen ihre Gefährten. Gedränge bei den Liften. Von rechts ertönt Musik. Die aktuellsten Hits erklingen. Die Sonne küsst den Schnee und kitzelt die Nase. Der Himmel gewinnt die Schönheitskür: Er zeigt sein strahlendes Lächeln. Knapp setzt er sich gegen die brave Piste und die kecke Sonne durch. Es kribbelt in den Füßen. Mag an den festgeschnallten Skischuhen liegen. Oder an der Vorfreude. Sie wächst sekündlich.

Kalter Wind schlägt ins Gesicht. Beißend? Erfrischend! Er braust um die Ohren. Betörend! Die Kräfte der Natur übertreffen die eigenen. Sie müssen gebändigt werden. Sonst kommt es zum Sturz. Volle Konzentration auf den nächsten Schwung: Die Haltung öffnen, den Ski zum Bogen setzen und zurück in die Knie. Das wichtigste: Der Ski ist auf der Kante. Er greift – die Kräfte wirken. Ich halte dagegen, gewinne das Spiel, scanne den nächsten Platz für meinen Schwung. Der Schnee knirscht unter den Brettern und erfüllt mein Herz wie Musik in den Ohren. Der Rausch der Geschwindigkeit, das Versprechen der Freiheit und das Spiel mit den Fliehkräften machen süchtig.

Plötzlich wechselt Licht in Schatten: Bodensicht ist kaum vorhanden, als würde die Nacht den Tag ablösen. Es heißt Geschwindigkeit drosseln, die Dominanz schwindet, zurück bleibt das Gefühl. Wie ist der Untergrund: Gilt es Wellen zu schlucken oder übers Eis zu rutschen? Der Geist ist hellwach, die Augen suchen, der Atem rennt. Dann ist das Schattenstück überwunden, die Sonne flutet wieder die Piste. Sie verspricht das Rampenlicht, die Piste agiert als Bühne, der Schwung ist die Show. Die Seele, die jubelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Blogheim.at Logo Blogverzeichnis - Bloggerei.de