Urlaub heißt…

 

Ich sehe unseren jährlichen Sommerurlaub jedes Mal mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Was zunächst zum Teil brutal klingt, ist eigentlich eine logische Sache. Ich bin ein Planungsfanatiker. Der Tag ist nur dann sinnvoll, wenn er auf die Sekunde geplant und somit effizient ist. Im alltäglichen und somit bekannten Milieu ist das eine recht einfache Angelegenheit, doch im unbekannten Umfeld wird dieser Anspruch oft zur Herausforderung.

Bisher waren Urlaube bei mir durchgetaktet. Als traditionelle Frühbucher hatte ich genügend Zeit mich mit dem Urlaubsdomizil und den dortigen Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Somit war neben den grundlegenden Vorgaben wie Flug oder Zug auch die Urlaubswoche durchgeplant: Für jeden Tag ein Ausflug oder ein anderer Plan und für Schlechtwetter auch ein paar Schlechtwetterpläne.

Aus Not zum Vergnügen…

Doch dieses Jahr war alles anders. Eingedeckt mit Arbeit, der Masterarbeit und sonstigen Alltagsaufgaben war es mir zeitlich nicht möglich, Vorbereitungen zu treffen. Ich habe es immer wieder vor mich hergeschoben, bis ungefähr 10 Tage vor dem Urlaub. Scherzhaft habe ich gemeint, dass ich noch nie so unvorbereitet auf Urlaub gefahren bin. Plötzlich bin ich nachdenklich geworden und habe gemeint, dass wir dieses Jahr den Urlaub auch nicht mehr durchplanen, sondern uns einfach auf den Urlaub einlassen sollen.
Da es dieses Jahr nach Velden ging, ist mir das Land, die Kultur, das Essen und vor allem die Sprache bestens bekannt, somit blieben mir überhaupt keine Sorgen.

Am Abreisetag noch bis kurz nach Mittag gearbeitet, setzten wir uns ins Auto und fuhren los.
Natürlich waren meine Gedanken noch bei der Arbeit und auch der Verkehr sowie das schlechte Wetter ließen mit nicht in Ruhe. Im Hotel angekommen, durchliefen wir das CheckIn-Prozedere, packten grob aus, machten uns frisch und gingen dann zum Essen.
Nach diesem war es uns noch zu bald zum Schlafen gehen, jedoch waren wir durch die Arbeitswoche und die Fahrt zu müde, um ins Ortszentrum zu gehen, weshalb wir uns aufmachten, den Wellnessbereich aufzusuchen.

Als ich den Whirlpool erblickte, hat er mich gleich magisch angezogen, weshalb wir uns in diesen begaben. Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass ein Schalter umgelegt worden war. Die Anspannung war wie weggefegt. Die Arbeit und der Alltag waren plötzlich in weite Ferne gerückt. Es blieb nur das blubbernde Wasser und pure Entspannung.
Bei der Unterhaltung über das morgige Vorhaben meinte ich, dass wir uns das beim Frühstückstisch aufgrund des Wetters überlegen würden. Dann könnten wir im Internet nach weiteren Informationen suchen und uns etwas aussuchen und es der beste Plan für die darauffolgenden Tage wäre, da ja in Österreich das Wetter leider sehr wechselhaft sein kann.
Dennoch blieb ich auch weiterhin sehr gespannt, was mich äußerst überraschte. Jedoch kam ich einfach nicht darauf, warum ich so war. Bis mir am dritten Urlaubstag bewusst wurde, dass wir keine fixen Sightseeingziele, keine fixen Ausflugsziele, Vorgaben oder sonstige Pläne hatten. Wir waren einfach in Velden und überlegten uns was wir machen würden.
Das Streben nach Effizienz und Effektivität, welches mir im Alltag Erfolg gönnt, erwies sich im Urlaub als äußerst ungünstig. Das Vorhaben die Urlaubszeit ganz auszunutzen, so viel wie möglich zu sehen und zu erleben führte zwar dazu, dass ich viele neue Orte, Gebäude, Personen und Gegebenheiten kennenlernte, mich aber davon abhielt meinen Urlaub zu erleben.

Urlaub heißt nicht zu denken, nicht zu planen…
Doch dieses Jahr war alles anders. Absurd ist, dass meine Effektivität und Effizienz des Alltags dazu geführt haben, dass ich mich nicht auf unseren Urlaub vorbereiten konnte, das aber dazu geführt hat, dass ich meinen Urlaub in vollem Bewusstsein erleben und leben konnte.
Ich hoffe, dass ich nach dem Urlaub nicht in alte Gepflogenheiten zurückfalle, zumindest nicht bis am Montag wieder der Arbeitsalltag ansteht.
Da heißt es wieder „Effektivität, Effizienz und Produktivität“.

 

2 Kommentare zu “Urlaub heißt…

  1. Sabienes

    Jedes Jahr nehme ich mir vor, unseren Urlaub mal so richtig, richtig zu planen. Aber bis auf die Buchung von Flug, Hotel und Mietwagen klappt das nie.
    Bei uns ist Urlaub immer so ein bisschen mit Überraschung verbunden.

    Aber das Abschalten ist trotzdem ein bisschen schwierig. Zumal wir selbstständig sind.
    LG
    Sabienes

  2. Tomi Autor des Beitrags

    Hallo Sabienes,

    danke für deinen Kommentar.
    Auch ich arbeite quasi selbstständig in unserem „Familienunternehmen“ mit meinem Vater.
    Richtiger Urlaub mit einfach mal komplett abschalten und das Handy wegwerfen ist somit leider nicht möglich.

    Ich bin jedoch sehr froh, dass ich dieses Mal nicht geplant habe. So war ich vor dem Urlaub nicht hektisch, um mir einen Plan zu machen und während des Urlaubes nicht hektisch, um diesen einzuhalten. Ich hoffe, dass es mir auch nächstes Jahr gelingt.
    Liebe Grüße

    Tomi

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