Vom Kuchen backen und über sich selbst hinauswachsen

Kuchen und Torte verspeise ich am liebsten täglich. Früher waren wir da sehr verwöhnt. Dank Uroma war fast immer Kuchen da und zu jedem Anlass gab es meine heißgeliebte Sachertorte. Doch irgendwann spielt das Alter nicht mehr mit und seit einigen Jahren kann sie nicht mehr backen. Zum Glück hat sie eine begabte Nachfolgerin: meiner Schwester gelingt jedes Dessert auf Anhieb und das Wichtigste: Es macht ihr Spaß! Nun stand die Geburtstagsfeier mit der Verwandtschaft an, 20 Leute sollten es werden! Wir planten, was es als Nachspeiste geben sollte und entschieden uns für eine Linzerschnitte und eine Sachertorte.

Dann überlegten wir, wann wir was backen sollten. Zu meinem Entsetzen hatte meine Schwester an keinem der beiden Tage vor der Feier Zeit! Sie war verplant. So sahen Mama und ich uns vor der großen Aufgabe, alleine etwas nicht nur Essbares sondern im Idealfall auch Leckeres zu zaubern!

„Dream-Team“

Mama sicherte mir ihre Unterstützung zu und los ging’s. Die Zutaten einzukaufen war noch nicht die große Kunst. Wobei ich zugeben muss, hier schon mal das Linzerschnitten-Rezept aufgrund alter Schrift und ungewöhnlicher Abkürzungen missinterpretiert zu haben. Damals hatten wir dann zu wenig eingekauft. Es ist also auch nicht selbstverständlich, dass dieser erste Schritt reibungslos klappt ;).

Diesmal ließ ich Mama die Rezept-Interpretation übrig und wir kamen heiteren Gemüts problemlos bis zum Vermischen des Teiges. Doch dann kam er dennoch: der verzweifelte Gesichtsausdruck! Mama meinte mit verzwickter Miene: „Der Teig ist sooo pickig und das Kneten ist anstrengend!“ Ich verstand sie so gut, hatte aber keine bessere Antwort als: „Du hast gerade erst begonnen zu kneten, da musst du jetzt schon noch ein bisschen durchhalten!“ Insgeheim war ich heilfroh, dass sie diesen Job übernahm, darum gab ich mein Bestes und motivierte sie alle paar Sekunden, wie toll sie das mache und wie gut wir vorankamen. Ein Cheerleader hätte den Job nicht besser hinbekommen können…

Aufwärmübung geschafft

Bis auf unsere fehlende Motivation stand der leckeren Linzerschnitte nix im Weg und wir waren sogar in überschaubarer Zeit damit fertig. So, jetzt hatten wir sozusagen die Aufwärmübung hinter uns. Es folgte die Sachertorte. Gut, die Thea hatten wir gleich mal vergessen einzukaufen. Wir hatten meine Schwester gebeten, sie mitzunehmen. Aber die Zutaten, die konnten wir doch schon mal mischen…

Ich las vor, welche Zutaten wir laut Rezept gleich verarbeiten würden. Da unterbrach mich Mama: „Aber deine Schwester meinte ja, wir brauchen 9 Eier. Du hast gerade gelesen, es seien nur 6. Wie kann das sein?“ Oh, mir schwante Böses. Da erinnerte ich mich: Uroma hat immer gepredigt, dass sie die 1,5 fache Menge für die Sachertorte nimmt. Ich blickte auf die bereits abgewogenen Zutaten, atmete tief durch und meinte: „Gut, wir messen alles nochmal ab. Ist ja kein Problem.“ (Außer dass ich mir unzählige Sachen weiß, die ich lieber mache ;))

Hopplas gehören dazu!?

Wir arbeiteten konzentriert um die fehlenden Mengen noch zu ergänzen. Da erstarrte ich und deutete auf die vorbereiteten Schüsseln: Da waren statt einer zwei mit Staubzucker gefüllt! Mir schwante schon, von vorne beginnen zu müssen. Mama begann ob des Fehlers zuerst zu lachen, doch da wurde auch sie ernst: „Nein Sarah, in dem einen ist Mehl!“. Ich betrachtete die beiden, doch in der einen war ganz wenig Zucker, also noch die Ursprungsmenge und in der anderen war auf dem Mehl der zusätzliche Zucker, um die 1,5 fache Menge zu erreichen. Es half nichts, wir mussten die gemischte Schüssel noch mal abwiegen, um insgesamt auf die richtigen Mengen zu kommen. Irgendwie kam ich mir vor wie im Matheunterricht.

Zum Glück hatten wir vor ein paar Jahren unsere antike Waage endlich durch eine moderne, analoge ausgetauscht. Somit hielt sich der Aufwand in Grenzen und ich war wieder zuversichtlich, dass wir unserem Ziel, die Zutaten endlich zusammenzumischen, deutlich näher kamen.

Die neu entdeckte Freude

Doch da las ich im Rezept, dass der Zucker zu einem deutlich früheren Zeitpunkt gebraucht wird und das Mehl erst deutlich später verarbeitet wird! Es half nichts, wir kniffen die Augen zusammen und versuchten abzuschätzen, wo der Zucker endete und das Mehl begann. Dabei gelang uns, was ich beim Backen noch nie erlebt habe und fast ungern zugebe: Wir hatten fast schon Spaß dabei! Meine Schwester war sichtlich irritiert, als sie endlich mit der Thea zur Tür hereinspazierte und die gute Stimmung bemerkte.

Mama und ich arbeiteten dann sogar schon parallel, um schneller fertig zu werden. Nach kurzer Zeit verkündete Mama ganz stolz, sie habe in der Zwischenzeit die Dotter bereits verrührt und sei da schon einen Arbeitsschritt weiter. Ich sah in der Anleitung nach und zitierte: „Mischen sie unter ständigem Rühren die einzelnen (!) Dotter abwechselnd mit dem Zucker der Masse bei.“ Tja, die 9 Dotter waren mittlerweile eine untrennbare Masse geworden –> Anfängerfehler 😉

Erneut konnten wir über unsere eigene Unerfahrenheit lachen ohne uns zu ärgern und damit war eigentlich das fast Unmögliche geschafft: Wir hatten Spaß beim Backen. An unserem Geschick können wir ja künftig noch feilen.

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